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Relationales Denken: Zukunft gestalten

von Sonja Radatz

 

„Gestalten“ heißt also, die Dinge aktiv zu strukturieren, es ist also meines Erachtens ein „hin zu“ frei nach meinem lieben Kollegen Steve de Shazer: „If something doesn´t work, do something different“ (de Shazer, 1999). Wir haben dann das Optimalszenario und dessen Erfüllung im zentralen Fokus, und nicht das Problem und dessen „Beseitigung“, auch nicht das „Aufhören zu“ und auch nicht den Versuch, „das Problem zu lösen“, was allzu häufig einem Mehr desselben gleich kommt, werden doch die gleichen Instrumente wie zuvor angewendet, nur eben in die Gegenrichtung (und das meinte Steve de Shazer auch meinem Verständnis nach, wenn er sagte, „Don´t do more of the same“). „Do you want me to fix this, or do you want me to help you finally starting to do something you really want?” fragte er mich einmal in einem unserer vielen gemeinsamen Dialoge, und ich glaube, in diesem Moment verstanden zu haben, was er mit seinem „If something works, do more of the same. If something doesn´t work, do something different“ meinte.

Wichtig ist mir dabei auch auf die Rückbezüglichkeit: Nicht nur gestalten wir immer und unablässig, sondern das Gestaltete wirkt auch stets auf uns zurück. Aus einer anderen Perspektive betrachtet, können wir uns bei jedem „unerwünschten“ Erleben (die Mitarbeiter arbeiten „nicht richtig“, die Ergebnisse werden nicht erzielt, das Unternehmen bietet zu wenig Innovation, die Entwicklung kommt zu wenig schnell voran, das Unternehmen leistet insgesamt zu wenig am Markt, es kommen Mitbewerber hoch etc.) sofort fragen, was WIR SELBST getan oder – ebenso zentral – unterlassen haben, um diesen Zustand herzustellen. Anders formuliert: Wenn wir etwas erleben, was wir nicht erleben wollen, dann hat das sehr viel mit uns selbst und unserem bisherigen aktiven Leben bzw. Unterlassung zu tun. Und diese Erkenntnis ermöglicht uns, anstatt Statements über den „Zustand“ zu produzieren („Die Mitarbeiter sind schuld!“, Der Markt ist schuld!“, „Die Produktion ist schuld!“, „Die Technik ist schuld!“, „Die Wirtschaftslage ist schuld!“), vielmehr Selbsterkenntnisse zu schaffen und wiederum die Gestaltungsverantwortung wahr zu nehmen: Zunächst sich zu fragen, „Wie haben wir das hingekriegt?“ (denn alles Erleben hat eine Relationskomponente ZUVOR, in der wir eine Rolle spielen), und weiters sich zu fragen, „Wie kann ich denn ein anderes Ergebnis schaffen?“ (denn jede erlebte Ausgangslage schafft uns wieder eine neue Gestaltungsmöglichkeit).

 

 Weiterlesen: Relationaler Ansatz – Der „Gestaltungs-Ansatz“ in der Praxis, in: LO 100, Relationales Denken. Ganz. Einfach.

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