Beiträge

Die Relationale Frage No. 1 in der Mitarbeitersuche

von Sonja Radatz, 19. April 2016

lo96cover-S

Wer sind wir – und was brauchen wir?

Sicherlich – diese Frage mutet im ersten Moment vielleicht seltsam an: Schließlich     haben Sie ja keine Organisationsentwicklung vor, sondern wollen „nur“ einen neuen Mitarbeiter suchen. Wenn wir aber davon ausgehen, dass eine Beziehung zwei Seiten hat, dann wäre es für die andere Seite wahrscheinlich schon gut zu wissen, mit wem sie es zu tun hat. 

 

Die Frage No. 1: Wer sind wir – und was brauchen wir?

 

Ich gehe davon aus, dass der neue Kandidat – lassen Sie es mich auf den Punkt bringen – nicht den Zweck an sich darstellt („Wir suchen jetzt erst mal einen Mitarbeiter, der dies und jenes kann. Dann werden wir schon sehen, in welchen Kontext er passt“), sondern vielmehr einen „Mittel zum Zweck“ bildet – und da müsste aus meiner Sicht schon geklärt werden, für welchen großen „Zweck“ er ein wunderbares „Mittel“ sein sollte.

 

Viele Unternehmen bzw. Bereiche (je nachdem, welche Position gesucht werden soll), wissen jedoch gar nicht,

·       woran sie ihren Erfolg in Zukunft messen wollen (Rahmen),

·       wer sie in Zukunft optimaler Weise sein wollen sowie wie sie von anderen wichtigen Marktteilnehmern (Kunden, potenziellen Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten, Mitbewerbern) gesehen werden wollen (Selbstbild).

 

Für welchen Zweck suchen Sie?

 

Doch: Wenn dies nicht glasklar ist, wird die Mitarbeitersuche aus meiner Sicht schon recht schwierig oder sogar unmöglich. Ich halte die Beantwortung dieser beiden Fragen auf Unternehmens- bzw. Bereichsebene für die Voraussetzung, um in Erfahrung zu bringen, welche Mittel der zukünftige Vorgesetzte schon hat und welche er noch braucht.

Ja, ich weiß, diese Fragestellung trägt uns ein Stückchen fort von der „Nachbesetzung“, von der Idee, einen „Nachfolger“ zu suchen und noch viel mehr von der Idee, „die gleiche Jobanforderung wie beim letzten Mal“ zu posten.

 

Wenn Sie jemand Neuen suchen, sollten Sie nicht „nachbesetzen“.

 

Aber ich bringe sie ganz bewusst ins Rennen, weil ich davon ausgehe, dass Sie niemals „nachbesetzen“ – entsprechend der Idee des „Panta Rhei“ von Heraklit, der meint, wir können nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen, da der Fluss zu jedem neuen Zeitpunkt neue Tropfen enthält und der Mensch, der in ihn steigt, ebenfalls zu jedem Zeitpunkt ein anderer ist.

Was übersetzt auf diesen Fall bedeutet: Wenn Sie jemand Neuen suchen, dann passt schon prinzipiell eine „Nachbesetzung“ nicht, sondern es wird immer eine Neubesetzung, die für die Zukunft passt (und nicht für die Vergangenheit gepasst hätte).

 

Make or buy?

 

Das „Was brauchen wir?“ bezieht sich auf den Beitrag, den Sie zu Ihrem Unternehmen bzw. Ihrem Bereich in Zukunft benötigen. Und es könnte durchaus sein, dass dieser Beitrag besser als Leistung von außen zugekauft wird, weil er das Zusammenspiel vieler Personen braucht, die es sich nicht lohnt, in ihrer Vielzahl im Unternehmen aufzubauen. Es macht also Sinn, diesen Beitrag zu formulieren. Wenn Sie dann zum Schluss kommen, dass eine einzige Person diesen Beitrag leisten kann, dann suchen Sie definitiv einen Mitarbeiter für Ihr Unternehmen.

 

 

WEITERLESEN